Veröffentlicht am Ein Kommentar

Heimbeatmung in Krisenzeiten: Betroffene auf Stadt und Land unsichtbar

In Deutschland erhalten immer mehr Menschen Atemhilfen oder werden maschinell beatmet. Zugleich nimmt die Anzahl an älteren Menschen zu, die allein leben. Ebenso steigt die Anzahl an Menschen, die zu Hause gepflegt werden. Konkrete Daten zu Anzahl oder Ort liegen auf kommunaler Ebene nicht vor. Daraus ergibt sich ein Blinder Fleck für Städte und Gemeinden bei der Heimbeatmung in Krisenzeiten.

Weitere podcasts und Videos von ELKOBA finden Sie auf YouTube (link) und auf den Streaming-Platformen (link)

Die Quellen für Daten sind sehr dürftig. Selbst auf bundesweiter Ebene muss stundenlang für den Erhalt von Informationen recherchiert werden. Kaum jemand in den Verwaltungsbehörden hat Zeit für die Recherche. Oder um kostenpflichtige gar Statistiken einzuholen. Selbst kostenpflichtige Angebote führen nicht zum Ziel. Für die kommunale Ebene gibt es aktuell keine Daten. Es bleibt die Frage: Wie viele Menschen leben in Stadt und Land mit Beatmung oder Pflege zu Hause. In Notlagen oder Krisen sind Pflegebedürftige und Heimbeatmete schlichtweg unsichtbar. Doch sehen wir uns zum Einstieg die verschiedenen Atemhilfen von CPAP bis zur invasiven Beatmung an:

Unterstützende Atemhilfen CPAP bei nächtlichen Atemaussetzern

Bis zur maschinellen, invasiven Beatmung gibt es viele Abstufungen. Für leichte Fälle werden relativ einfache Atemhilfen verwendet. Wie zum Beispiel Atemhilfen gegen nächtliche Atem-Aussetzer. So wie es bei einigen Menschen während dem schnarchen vorkommt. Über eine Atemmaske wird bei Aussetzern Druck zugeführt. Wodurch der Atemreflex wieder aktiviert wird. Diese Geräte werden meist ohne Akku ausgeliefert. Und benötigen zum Betrieb Netzspannung.

Unterstützende Atemhilfe mittels Nasenbrille

Einige Patienten lassen sich extern Sauerstoff über eine Nasenbrille zuführen. Dadurch steigt der Gehalt an Sauerstoff in der Lunge. Und die Resorption von Sauerstoff in der Lunge fällt leichter. Dies hilft Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion. Als Geräte kommen sowohl reine Druckspreicher zum Einsatz. Diese haben keinen Netzanschluss und werden wie eine “Dose” mit Sauerstoff befüllt. Ebenso gibt es Sauerstoffkonzentratoren, die den Anteil an Sauerstoff von 21% auf üüber 90% anreichern. Und den Sauerstoff dann über einen Schlauch zur Nasenbrille am Patienten weiterreichen. Diese Sauerstoffkonzentratoren benötigen zum Betrieb elektrische Energie.

Heimbeatmung in Krisenzeiten erfordert mehr Daten für Städte und Gemeinden.
Heimbeatmung in Krisenzeiten: Die Betroffenen sind im Krisenfall schwer auffindbar

Externe Beatmung über Maske

Als nächste Stufe gibt es manuelle oder maschinelle Atemhilfe über eine Maske. Diese kommt zum Einsatz bei Menschen, die zum Beispiel eine geschwächte Atemmuskulatur haben. Die Möglichkeiten reichen vom Ambu-Beutel für Notfallversorgung bis zur maschinellen Beatmung auf Intensivstation. So wie es oft während der Covid-Pandemie in Medien gezeigt wurde. Diese Geräte benötigen zum Betrieb elektrischen Strom.

Invasive Beatmung über Tubus

Die (fast) letzte Stufe der Beatmung ist die invasive Beatmung. Über einen Schlauch (Tubus) wird Atemluft direkt in die Lunge geführt. Dies erfolgt unter Druck von einer Maschine. Und diese Maschine benötigt für ihren Betrieb elektrische Energie. Sowie Begleitung durch eine Pflegekraft.

Pflegefälle während der Flutkatastrophe im Ahrtal: Nur wenige Daten.

Keine Daten zu Anzahl oder Ort Betroffener bei Kommunen vorhanden

Obwohl die Anzahl an Menschen zunimmt, die zu Hause Atemhilfen verwenden gibt es weder in Städten noch auf dem Land ein Register für diese Menschen. Bei Stromausfall sind an lebenskritischen Geräten zwar Akkus vorhanden. Und in Kliniken versorgen Notstromaggregate diese Geräte weiter mit Elektrizität. Doch was passiert bei längerem Ausfall der Stromversorgung bei den Menschen zu Hause?

Eine aufgebrochene Türe in einem Pflegeheim im Ahrtal nach der Flutkatastrophe. Pflegebedürftige Menschen müssen zur Krisenvorsorge in den Fokus rücken.
Aufgebrochene Türe in einem Pflegeheim im Ahrtal nach der Flutkatastrophe

Riskante Lage, bei Krise droht Zeitverlust und Engpass

Mittels einem Versorgungsregister auf kommunaler Ebene könnten beatmete oder pflegebedürftige Menschen gezielt angesprochen werden. Und sowohl frühzeitig als auch planbar einerNotfallversorgung zugeführt werden. Mit der aktuell fehlenden Datenlage droht die Gefahr, dass Patienten von Angehörigen oder Helfer versuchen “irgendwie” selbst klar zu kommen. So lange es geht. Und wenn es nicht mehr geht, dann werden die Menschen per Notfall sichtbar. Zu einer bereits vorhandenen Notlage addieren sich dann Menschen, die komplexe Betreuung benötigen. Jedoch ist fraglich, ob dann noch Kapazitäten bereit stehen.

Versorgungsregister zu Heimbeatmung und Heimpflege notwendig

Aus meiner Sicht ist ein Versorgungsregister zu Heimbeatmung und Heimpflege dringend notwendig. Die Heimbeatmung in Krisenzeiten muss für Behörden in Stadt und Land ein Thema werden. Dann würden Probleme sichtbar und handhabbar so lange noch Kapazitäten bereit stehen.

weiterführende Links zum Thema Beatmung und Pflege

Anzahl schwerbehinderter Beatmungspatienten, Deutschand gesamt: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/247952/umfrage/anzahl-der-schwerbinderten-beatmungspatienten-nach-art-der-funktionsreinschraenkung/

Pressemeldung destatis, Zunahme Pflege in Gesamtbevölkerung: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/09/PD21_N057_12411.html

Tabelle Darstellung Pflegebedürftiger Deutschland gesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/Tabellen/pflegebeduerftige-pflegestufe.html

Ein Gedanke zu „Heimbeatmung in Krisenzeiten: Betroffene auf Stadt und Land unsichtbar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert